Das Thayatal

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Das Thayatal

Die Deutsche Thaya entspringt im nordwestlichen Waldviertel bei Schweiggers im pol. Bezirk Zwettl in einer Seehöhe von 659 m ü. A. nahe der mitteleuropäischen Wasserscheide. Zwischen Limbach und Kleingloms durchfließt die Thaya das Waldgebiet der Teufelslucke in einem breiten, ungesicherten Flussbett. Gefällsstufen und Steilufer kennzeichnen diesen ersten Abschnitt, der sich ab Vitis zu verbreitern beginnt.

Der als Deutsche Thaya bezeichnete etwa 97 km lange Lauf bis Raabs weist mehrere starke Richtungsänderungen auf. Die größten Zubringer- oder Seitenbäche im Bezirk Waidhofen an der Thaya sind der Thauabach mit einem Einzugsgebiet von 107,2 km2, welcher rechtsufrig bei Markl in der Nähe von Windigsteig in die Deutsche Thaya mündet, sowie der Taxenbach, welcher ein Einzugsgebiet von 156,2 km2 umfasst und linksufrig bei Peigarten in die Deutsche Thaya mündet. Der Taxenbach entspringt auf tschechischem Gebiet und vereinigt in seinem Unterlauf sämtliche Bäche des nördlichen Waidhofner Beckens. Zwischen Vitis und Raabs durchfließt die Deutsche Thaya mehrere Gemeindegebiete: Schwarzenau, Windigsteig, Waidhofen/Thaya, Thaya, Dobersberg, Waldkirchen und Karlstein. In Raabs nimmt die Deutsche Thaya ihren auch als zweiten Quelllauf bezeichneten Zubringer, die Mährische Thaya auf.

 

 

Die Mährische Thaya entspringt in Tschechien bei Spelkov südöstlich von Trest auf rund 630 m ü. A. und erreicht nach rund 60 km nördlich von Weikertschlag Österreich. Nach ihrem ca. 17 km langen Verlauf in Niederösterreich fließt sie in Raabs auf 400 m ü. A. mit der Deutschen Thaya zusammen.

In Raabs vereinigt sich die Deutsche Thaya mit der Mährischen Thaya und wird ab Raabs als Thaya bezeichnet. Das Einzugsgebiet der Deutschen Thaya umfasst 772,7 km2 und das der Mährischen Thaya 628,4 km2. Das gesamte Einzugsgebiet der Thaya beträgt bei der Mündung in die March bei Hohenau etwa 13.403 km2.

Ab Raabs bis zur Staatsgrenze in Unterthürnau fließt die Thaya auf einer Streckenlänge von ca. 25 km. In diesem Abschnitt ist die Thaya zu einem beachtlichen Fluss angewachsen und bildet tiefe Taleinschnitte mit zum Teil steilen Hängen. Sie zieht sich vorbei an der Seebsbachmündung (Der Seebsbach mit einem Einzugsgebiet von 119,5 km2 mündet unterhalb Raabs in die Thaya) über Kollmitzgraben, Eibenstein, Primmersdorf und vorbei an Drosendorf, eine auf einer Umlaufkuppe der Thaya erbaute mittelalterliche Stadt, bis sie schließlich bei Unterthürnau wieder auf tschechisches Staatsgebiet fließt.

Charakteristisch für die Thaya ist der weitgehend natürliche, wenig verbaute und teilweise stark mäandrierende Verlauf. Auffallend auch der über weite Strecken sichtbare ein- bis mehrreihige Gehölzsaum der Ufer, welcher vorwiegend aus Erlen und Weiden besteht. Dieser Gehölzsaum bietet durch seine unterspülten Wurzeln und herabhängenden Äste nicht nur den Fischen Unterstände, sondern dient auch der Uferbefestigung.

 

 

Neben den ausgeprägten Talmäandern ist für die Thaya auch typisch der häufige Wechsel zwischen langen Streckenabschnitten mit geringer Fließgeschwindigkeit, höherer Wassertiefe mit Feinsedimentablagerungen und kurzen, flach überströmten Gefällestufen mit stärkerer Fließgeschwindigkeit und gröberen Sohlsubstrat. Die vielen künstlichen Staubereiche, die in Form der zahlreichen steinernen Wehranlagen schon immer der Wasserkraftnutzung dienten und zum Teil schon hunderte Jahre alt sind, prägen das Bild des Thayaflusses ebenfalls nachhaltig.

Früher überwog dabei die Nutzung als Mühle oder Sägewerk, wobei hingegen heute die Stromerzeugung im Vordergrund steht. Die älteste im Bezirk Waidhofen/Thaya urkundlich erwähnte Mühle (1261) ist die Taxenmühle am Taxenbach in der Gemeinde Kautzen. Einige Wehranlagen waren im Laufe der Jahre vom Verfall und Hochwässern bedroht, da sie keiner wirtschaftlichen Nutzung mehr dienten und somit nicht mehr repariert wurden. In einigen Fällen ist es aber nicht möglich, die verfallenden Wehre zu beseitigen, da durch den oft Jahrhunderte dauernden Bestand das gesamte Umland und auch bauliche Maßnahmen sich an der vorhandenen Stauhöhe orientierten. In den letzten Jahren wurden bei der Instandsetzung derartiger baufälliger Wehranlagen durch die Abteilung Wasserbau (WA3) des Amtes der Landesregierung bereits vorbildliche Maßnahmen gesetzt.

Durch eine entsprechende Gestaltung wird dabei eine Fischwanderung wieder ermöglicht. Dies geschieht einerseits durch einen möglichst flachen Umbau der Wehr (Sohlrampen), durch den Bau eines Umgehungsbaches oder durch den Einbau vonVertical Slot so genannten Beckenpass-Fischwanderhilfen. Untersuchungen zeigten, dass diese Fischwanderhilfen nicht nur zum Aufstieg, sondern allgemein als Lebensraum angenommen und besiedelt worden sind.

Im Zuge umfangreicher Fischbestandsaufnahmen wurden innerhalb der Thayareviere im Oberlauf 28 Fischarten festgestellt. Das Spektrum der angelfischereilich interessanten Fischarten spannt sich von den in der Forellenregion dominierenden Bachforellen im obersten Bereich der deutschen Thaya bis zu den für die Barben/Brachsenregion typischen Raub- und Friedfischvertreter im mittleren bis unteren Bereich der aufgezählten Reviere. Die Thayareviere bieten einen angelfischereilich sehr abwechslungsreichen und reizvollen Fischbestand. In den Stauabschnitten finden sich besonders Karpfen, Schleie, Brachse, Hecht, Zander und Wels. Hingegen in den Fließabschnitten und Stauwurzeln treten eher die dafür typischen Fischarten wie Aitel, Nase, Barbe auf.